Thomas Karsten MUKISA FOUNDATION


Stern Online Ausstellung 2011

In Afrika ist eine Behinderung oft mit einem Stigma verbunden. Für Kinder, die davon betroffen sind, ist es besonders schwer: Es gibt keine Gesetze, die sie schützen, sie haben keine Rechtsansprüche. In Uganda kümmert sich seit einigen Jahren ein Hilfsprojekt um solche Menschen. Der Münchner Fotograf Thomas Karsten hat die Sozialeinrichtung Mukisa Foundation 2009 besucht. In einer Ausstellung zeigt er die Porträits einiger Familien, die er dort kennengelernt hat. Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. Juli in der Galerie EB in Zürich.

Eines der Kinder von Mukisa ist der heute elfjährige Abdalla Napala. Er leidet an einer cerebralen Bewegungsstörung, die infolge einer frühkindlichen Hirnschädigung entstanden ist. Seine Motorik mag dadurch zwar eingeschränkt sein, seine gute Laune hat er nicht verloren

Als dieses Foto entstand, war Eric Kisakye fünf Jahre alt. Er war das erste Mukisa-Kind und der Auslöser für die Gründung dieses Projektes: Eric wurde 2006 auf einem Taxipark ausgesetzt und ins Waisenhaus gebracht. Alexander Bücker und Sonja Hagedorn hatten zu dem Zeitpunkt bereits drei Jahre freiwillig in einem Waisenhaus in Kempala gearbeitet. Sein Schicksal bewegte die Helfer. Sie fanden eine neue Familie für den kleinen Jungen und starteten anschließend ihr eigenes Projekt, zusammen mit der ugandischen Physiotherapeutin Florence Namaganda

Der damals dreijährige Akram Buwembo war weniger gut gelaunt, als der Fotograf zu Besuch war. Auch er gehört zu den Mukisa-Kindern. Das Wort bedeutet in Uganda "Segen" - und das ist diese Einrichtung für viele Betroffene, die sonst nicht wüssten, an wen sie sich wenden sollen. "In Uganda gibt es unzählige Waisenhäuser, Straßenkinder- und Aidshilfsprojekte, doch wir konnten nur schwer Einrichtungen für Kinder mit Behinderungen ausfindig machen", sagen die Mukisa-Gründer Alexander Bücker und Sonja Hagedorn

Der Aberglaube ist in vielen Teilen Afrikas noch weit verbreitet. Mütter von behinderten Kindern werden oft noch der Hexerei beschuldigt und nicht selten von ihren Männern verlassen. Sie schämen sich für ihre Kinder und verstecken sie vor den Augen der Gemeinschaft. Das muss die Mutter dieses kleinen Mädchens nicht: Auch sie hat Zuflucht bei Mukisa gefunden.

Der kleine Steven Lubega litt wie Abdalla einer cerebralen Bewegungsstörung. Er wurde nur zwei Jahre alt. Nicht lange, nachdem der Fotograf vor Ort war und dieses Bild aufgenommen hatte, starb er.

Esther Lisisha hat in ihren jungen Jahren schon viel durchgemacht. 2005 musste ihre Familie wegen des Krieges aus dem Kongo fliehen. Doch auch in der neuen Heimat dürfte ihr Leben nicht gerade einfach sein: Esther leidet an einer krankhaften Erweiterung der Gefäße im Kopf, auch Wasserkopf genannt. Hinzu kommt eine Pigmentstörung, weshalb ihre Haut sehr hell ist. Albinos sind gleich mehrfach gefährdet: Wegen ihres Aussehens werden sie oft diskriminiert. Außerdem leiden sie unter der starken Sonnenstrahlung - Schutzkleidung oder Sonnencreme können sich die wenigsten leisten. Hinzu kommt ein weit verbreiteter Aberglaube: Viele Afrikaner sind davon überzeugt, dass Körperteile von Albinos ihnen zu Reichtum verhelfen. Mancherorts werden solche Menschen regelrecht gejagt

Behinderungen sind leider nicht selten in Afrika: Jede fünfte Familie in Uganda ist davon betroffen. Und laut Statistik stirbt jedes zweite Kind mit einer Behinderung, bevor es fünf Jahre alt wird - weil die Familien oft nicht genug über die richtige Versorgung und Pflege eines solchen Kindes wissen und oftmals sehr arm sind. Genau hier setzt Mukisa an: Die Einrichtung berät und schult betroffene Familien, klärt auf und betreut die Kinder. Wichtig ist den Gründern, die Familie insgesamt zu stärken und den Kindern das Gefühl zu vermitteln, Teil einer Gemeinschaft zu sein.